Wenn ich an Gisela Ruwwe denke, fällt mir als Erstes ein, daß sie so gut wie nie aus der Ruhe zu bringen war. Unzählige schwierige Situationen in unserer Beratungsstelle, in den Wohnungen für die Haftentlassenen und in der JVA habe ich mit ihr erlebt. Mir bebte manchmal das Herz, Gisela blieb die Ruhe selbst.

Als Nächstes fällt mir ein, daß sie sich persönlich nie geschont hat. Überzeugt vom Sinn ihrer Arbeit schaute sie bei den Arbeitszeiten nie auf die Uhr. Als sie mit einer halben Stelle bei uns arbeitete, hatte ich oft das Gefühl, sie ist voll da. Ich kann mich an Zeiten erinnern, als ich noch Geschäftsführer des KGV war, in denen ich sie sozusagen in Zwangsurlaub schicken mußte. Auch manche Nacht hat sie sich um die Ohren geschlagen, ohne je darüber zu klagen. Die Arbeit im KGV war eben ein Teil ihres Lebens.

Des Weiteren habe ich sie immer bewundert, mit welchem Gleichmut sie die Büroarbeit erledigte. So hat sie mir oft „den Rücken freigehalten“ für meine seelsorgliche Arbeit. Mit ihrer Büroarbeit hat Gisela auch sehr viel für die „finanzielle Gesundheit“ des KGV geleistet.

Und gleichzeitig war Gisela im Kontakt mit ungeheuer vielen Inhaftierten, Haftentlassenen und Angehörigen und suchte mit ihnen immer wieder nach Lösungen in schwierigen Lebenslagen.

Zusätzlich übernahm Gisela einen erheblichen Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit und manche Vertretung in Gremien. Vielleicht war sie eben deswegen bekannt „wie ein bunter Hund“.

 Bei all dem oben Genannten (und es wäre noch mehr zu beschrieben) ist Gisela immer bescheiden geblieben, im Hintergrund und ohne Schau. Nie hat sie sich nach vorne gedrängt. Das spricht für ihren guten Charakter.

 Zusammenfassend müssen wir im KGV wohl feststellen: Gisela Ruwwe hat den Ruhestand wirklich verdient. Sie hat ihn sich buchstäblich verdient, weil sie immer mit „Vollgas“ gearbeitet hat. Und gleichzeitig verliert der KGV eines seiner bekanntesten Gesichter. Aber das ist nun einmal so. Nichts ist für die Ewigkeit.

Uns im KGV bleibt nur, ihr eine gute Zeit in Gesundheit und Wohlergehen zu wünschen, viel Muße und Zeit zur Beschäftigung mit all den Dingen, die bisher zu kurz kamen und zu allem den Segen des EWIGEN, ohne den wir nichts ausrichten können.

 

Reiner Spiegel